Martina Martínez

Deutsche rechnen mit zu kurzem Leben

Vielen Menschen ist nicht klar, mit welcher Lebens­dauer sie rech­nen können – auch weil sie sich am falschen Refe­renz­punkt orien­tie­ren. Die Fehl­ein­schät­zung hat auch Folgen für die Alters­vor­sorge. Der Gesamt­ver­band der Deut­schen Versi­che­rungs­wirt­schaft (GDV) möchte das Thema deshalb im künf­ti­gen Online-Renten­por­tal berück­sich­tigt haben.

Die einzige Versi­che­rung, bei der man den Leis­tungs­fall erle­ben möchte, ist die Renten­ver­si­che­rung – schließ­lich heißt das dann, dass man nach dem Arbeits­le­ben noch leben­dig ist. Nach 1964 gebo­rene können damit rech­nen, 87,5 Jahre alt zu werden und damit durch­schnitt­lich ca. 20 Jahre lang in den Genuss der Alters­be­züge zu kommen. Wie eine aktu­elle Unter­su­chung des GDV zeigt, glau­ben viele aller­dings nicht an ein so langes Rent­ner­da­sein: So rech­nen die nach 1964 gebo­re­nen Befrag­ten, die alle mit 67 in Rente gehen würden, mit einer Lebens­er­war­tung von 83,4 Jahren, was einer Renten­dauer von 16,4 Jahre entsprä­che. Statis­tisch können sie jedoch damit rech­nen, 87,5 Jahre alt zu werden. Mit so einem langen Leben rech­nen 19 % der Befrag­ten bei weitem nicht: Diese schät­zen ihre Lebens­er­war­tung damit die Renten­dauer um mehr als zehn Jahre zu nied­rig an. Grund­sätz­lich lässt sich sagen, dass Frauen häufi­ger mit einem kurzen Leben rech­nen als Männer: So unter­schät­zen die weib­li­chen Befrag­ten ihre Lebens­er­war­tung um 5,8 Jahre, die Männer liegen mit ihrer durch­schnitt­li­chen Prognose um 2,8 Jahre unter den tatsäch­li­chen Wert.

Als wesent­li­chen Grund, warum die eigene Lebens­er­war­tung zum Teil so deut­lich unter­schätzt wird, führt der GDV die Inan­spruch­nahme falscher Refe­renz­punkte an: So gaben 55 % der Befrag­ten an, sich für ihre Schät­zung am Alter der Groß­el­tern zu orien­tie­ren, ca. 40 % schauen auf das Alter der Eltern. Bspw. aufgrund des medi­zi­ni­schen Fort­schritts steigt die Lebens­er­war­tung jedoch immer weiter. „Jede Genera­tion lebt unge­fähr fünf Jahre länger als die voran­ge­gan­gene“, betont Peter Schwark, stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des GDV.

Forderung nach Ausweis der Lebenserwartung

Weil viele Deut­sche ihre eigene Lebens­er­war­tung und damit auch ihre Renten­be­zugs­dauer offen­bar nicht rich­tig einschät­zen können, fordert der GDV, dass diese im geplan­ten Online-Renten­por­tal ausge­wie­sen wird, das zukünf­tig allen Bürgern einen Über­blick über ihre Alters­ein­künfte geben soll. „Das Renten­por­tal wäre der geeig­nete Ort, um die Menschen über ihre statis­ti­sche Lebens­er­war­tung aufzu­klä­ren“, meint Peter Schwark. Für die Planung des Ruhe­stands sei die Infor­ma­tion wich­tig. „Wer die Renten­dauer unter­schätzt, sorgt mögli­cher­weise unzu­rei­chend vor“, so Schwark weiter.

Aktuelle Rentenbezugsdauer ebenfalls unterschätzt

Nicht nur wegen der falsch einge­schätz­ten Lebens­er­war­tung haben die Deut­schen Probleme, die Zeit einzu­schät­zen, in denen sie Alters­ein­künfte bezie­hen: So meinen die Befrag­ten aus der GDV-Umfrage, dass sie im Schnitt 18,6 Jahre lange Rente bezie­hen würden, der tatsäch­li­che Wert liegt aber bei 20,2 Jahren. Grund für die Abwei­chung: Der Wert bemisst sich nicht an der regu­lä­ren Regel­al­ters­grenze, sondern am tatsäch­li­chen Renten­zu­gangs­al­ter. Dieses ist aufgrund von Ausnah­men bspw. für lang­jäh­rig Versi­cherte oder Erwerbs­un­fä­hige nied­ri­ger und lag 2019 bei gut 64 Jahren. (Finanz­welt)

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